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Was ist Telemedizin genau?

- Ein Patient bei der morgendlichen Blutdruckmessung (Bild: BMWi/ next generation media 2008)
Das Bild illustriert, wie Telemedizin funktionieren kann. Ein Patient misst beim morgendlichen Frühstück den Blutdruck. Das Besondere: Das Blutdruckmessgerät ist mit einem „Sender“ ausgestattet, der die Blutdruckwerte automatisch und drahtlos in eine Datenbank überträgt. Dabei werden innovative Übertragungstechniken aus der Telekommunikation eingesetzt (deshalb: Telemedizin). In einem Telemedizinischen Zentrum prüfen medizinische Fachleute zeitnah die Blutdruckwerte und ähnliche Gesundheitsparameter (wie Gewicht oder EKG). Wenn etwas nicht stimmt, setzen sie sich mit dem Patienten in Verbindung – auffällige Befunde können so früh erkannt und eine medizinische Behandlung rechtzeitig eingeleitet werden.
Kurz gefasst: Im Unterschied zur Präsenzmedizin wird bei der Telemedizin die räumliche Distanz zwischen Patienten und Therapeuten mit Hilfe von Telekommunikation (z.B. Mobilfunk oder Internet) überwunden.
Welche Formen der Telemedizin gibt es?
- Telemedizin nützt Ärzten untereinander zur Übermittlung von Patientendaten, zum Einholen von Zweitmeinungen und zum Wissensaustausch („doc2doc“-Telemedizin). Sie wird in der medizinischen Weiterbildung, bei besonders komplizierten Fällen oder in entlegenen Gebieten eingesetzt.
- Telemedizin wird aber auch in der direkten Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Patienten angewandt („doc2patient“-Telemedizin). Dabei werden vor allem Gesundheitswerte überwacht, aber auch bei Bedarf Diagnosen gestellt und Therapien eingeleitet – so wie im Projekt „Partnership for the Heart“.
Die zweitgenannte Form der Telemedizin ist die tägliche Aufgabe der Patienten und des ärztlichen Personals im Telemedizinischen Zentrum (TMZ) der Charité und des Robert-Bosch-Krankenhauses. Fachärzte stellen bei auffälligen Messwerten Diagnosen und koordinieren notwendige Maßnahmen: Im Normalfall benachrichtigen sie Patient und seinen betreuenden Haus- oder Facharzt. Wenn dieser z.B. am Wochenende nicht erreichbar ist, leiten sie selbst eine Therapie ein (wie Dosisanpassungen von Medikamenten). Im akuten Notfall können sie unmittelbar einen Notarzt schicken und Erstmaßnahmen telefonisch unterstützen (z.B. Herz-Lungen-Wiederbelebung oder EKG-Dauermessung, dabei wird die EKG-Messung über einen beliebigen Zeitraum in Echtzeit an das TMZ übertragen).
Warum Telemedizin bei chronischer Herzschwäche?
Telemedizinische Verfahren sind für die Therapie von Herzschwäche besonders gut geeignet – Experten sagen, diese Erkrankung sei eine „Referenzindikation“. Dafür gibt es drei Gründe:
- Tritt eine Verschlechterung der Herzfunktionen ein, merken Patienten das meist erst mit deutlicher Verzögerung (siehe Abbildung). Dabei ist die Verschlechterung bereits in einem frühen Stadium zu diagnostizieren und zu therapieren, bevor der Patient sie wahrnimmt.
- In Deutschland werden – wie in anderen europäischen Ländern – die Menschen immer älter. Damit steigen auch chronische Erkrankungen wie Herzschwäche an. In Deutschland leiden derzeit ca. 1.5 Millionen Patienten an Herzschwäche, allein 317.000 Mal wurden Patienten 2006 deshalb ins Krankenhaus eingeliefert. Herzschwäche ist der häufigste Aufnahmegrund ins Krankenhaus. Diagnose und Therapie verschlingen viel Geld: etwa 2% der gesamten deutschen Gesundheitsausgaben.
- Wer an Herzschwäche leidet, fürchtet vor allem zwei häufige Komplikationen: kardiale Dekompensation (das Herz pumpt nicht mehr genug Blut durch den Körper und „entgleist“) oder plötzlicher Herztod (Herzrhythmusstörungen, die in Herzkammerflimmern übergehen und binnen Minuten zu Herzstillstand führen). Vor allem die kardiale Dekompensation ist für Telemedizin gut geeignet.
Telemedizinische Verfahren bieten deshalb ein „Frühwarnsystem“ für schleichende Veränderungen und ermöglichen Ärzten, rechtzeitig aktiv zu werden und geeignete Therapien einzuleiten.
